Infrastruktur: Wissenschaft

Rail2X – die Schiene spricht mit der Straße

Rail2X fuer mehr Sicherheit am Bahnübergang
Rail2X kann mehr Sicherheit am Bahnübergang bringen. Bild: DLR

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wendet Car2X-Technologie verkehrsträgerübergreifend für die Kommunikation zwischen Schiene und Straße an

Intelligente Autos der Zukunft kommunizieren miteinander und mit der umgebenden Infrastruktur. Möglich macht dies die sogenannte Car2X-Technologie, die zu mehr Effizienz, Komfort und Sicherheit im Straßenverkehr beitragen kann. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wendet diese Technologie nun mit Rail2X verkehrsträgerübergreifend für die Kommunikation zwischen Schiene und Straße an.

An der Kommunikation zwischen Fahrzeugen und ihrer Umgebung (Car2X) forschen die Wissenschaftler des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik bereits seit vielen Jahren. Mit der Anwendungsplattform Intelligente Mobilität (AIM) stehen ihnen dafür unter anderem eine Forschungskreuzung, eine Teststrecke auf dem Braunschweiger Innenstadtring und verschiedene Simulatoren zur Verfügung. Nun erschließen die Wissenschaftler Potentiale für die Anwendung der Car2X-Technologie auf das Transportmittel Bahn, um diese Standards für die Schiene zu eröffnen – aus Car2X wird Rail2X.

Rail2X – Mehr Sicherheit am Bahnübergang

Bringt man die Technologie auf die Schiene, dann könnte ein herannahender Zug künftig dem Bahnübergang die Information übermitteln, wann er diesen passiert. Der Autofahrer erhält zeitgleich von dem Bahnübergang eine Warnmeldung in seinem Head-Down-Display und kann dementsprechend frühzeitig reagieren. Mithilfe von Rail2X kann also zusätzliche Aufmerksamkeit beim Autofahrer erzeugt werden. „Ein Zug könnte so an einem Bahnübergang nicht mehr übersehen und meist tödlich endende Unfälle vermieden werden“, erklärt Prof. Karsten Lemmer, Leiter des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik.

Doch auch viele weitere Szenarien sind mit der Rail2X-Technologie denkbar: Die Forscher arbeiten derzeit auch an einer entsprechenden Meldung für den Triebfahrzeugführer, der in seinem Cockpit darüber informiert wird, ob der bevorstehende Bahnübergang bereits gesichert ist und er ungehindert passieren kann.

Ein anderes Szenario könnten Bedarfshalte bei regionalen Bahnen sein: Mittels Smartphone oder Knopf am Bahnsteig kann der Reisende dem herannahenden Zug mitteilen, dass er mitfahren möchte. Erhält der Zug keine Meldung, kann er den Bahnhof ohne Halt passieren. So können Zeit und Kosten gespart werden.

Und auch für die Wartung der Strecke und der Züge kann die Technologie verwendet werden: Die Braunschweiger Forscher haben dafür bereits ein System entwickelt, das so klein ist, dass es in einen Koffer passt und während der regulären Fahrt Messungen an den Gleisen durchführt. Wenn nun auch die Infrastruktur samt Schiene und Zug vernetzt sind, könnten Fehler schneller erkannt und beseitigt werden.

Rail2X Test im Braunschweiger Hafengelände

Rail2X Test im Braunschweiger Hafengelände. Bild: DLR

Erste Tests waren erfolgreich

Im Braunschweiger Hafengelände konnten die Wissenschaftler die Kommunikation zwischen einem Schienenfahrzeug und einem Straßenfahrzeug an einem Bahnübergang bereits erfolgreich testen: In einem PKW und im institutseigenen Zweiwegefahrzeug RailDriVE wurde ein gesicherter Bahnübergang visualisiert und die Rest-Rot-Zeit angezeigt. Damit der Zug jedoch auch außerhalb der Tests direkt mit dem Fahrzeug kommuniziert und die vielen möglichen Szenarien realisierbar werden, müssen die Car2X-Standards an die bestehenden Sicherheitssysteme der Bahn angepasst werden.

Dieser Standardisierungsprozess läuft bereits und schafft zusammen mit den erlangten Erfahrungen der Braunschweiger Wissenschaftler eine ideale Grundlage für eine Adaption der Car2X-Technologie auf den Bahnverkehr. In einem Feldversuch bei der Erzgebirgsbahn soll die Technologie unter Einbeziehung regulärer Schienenfahrzeuge weiter untersucht werden.


Mehr Informationen bei Institut für Verkehrssystemtechnik und im VIDEO


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