Politik: Strategie

Klimaziele durch wachsende Verkehrs-Emissionen in Gefahr

Emissionen
Smog in Kairo. Foto: Christoph S.| pixelio.de

Eigentlich kommt die sogenannte Dekarbonisierung ganz gut voran. In Deutschland wurden 2015 insgesamt 901,9 Mio. t CO2-Äquivalente ausgestoßen. Das sind 2,3 Mio. t bzw. 0,3 % weniger als 2014 und 27,9 % weniger im Vergleich zu 1990. Dies zeigen die Berechnungen, die das Umweltbundesamt (UBA) jetzt an die Europäische Kommission übermittelt hat. Die größten Minderungen erzielte mit 11,8 Mio. t die Energiewirtschaft. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger:  „Die Energiewende beginnt zu wirken. Immer mehr Strom stammt aus Sonne, Wind oder Wasser und nicht mehr aus Kohle oder Öl. Das zeigt sich in weiter sinkenden Emissionen. Jetzt heißt es aber dranbleiben: Um unser Klima zu schützen und die Klimaziele von Paris zu erreichen, müssen wir schrittweise komplett aus der Kohleverstromung aussteigen.“

Der Verkehrssektor macht Sorgen – auch international

Im Verkehrssektor, der hier in die Emissionen des Energiesektors eingerechnet ist, sind die Treibhausgasemissionen dagegen erneut leicht angestiegen. Mit 160,8 Mio. t wurden in 2015 knapp 0,7 Mio. t CO2 -Äquivalente mehr als im Vorjahr emittiert. Verantwortlich dafür sind gestiegene Fahrleistungen im Straßenverkehr. Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre fort. „Die Zahlen zeigen: Nur mit der Elektromobilität haben wir eine Chance, die Emissionen des Verkehrs zu senken“, so Krautzberger.

Auch international macht der Verkehr den Experten Sorgen. Die bislang geplanten Maßnahmen zur Reduktion des Kohledioxidausstoßes in dem Bereich reichten nicht aus, um die selbstgesteckten Ziele der internationalen Gemeinschaft zu erreichen, stellte das Weltverkehrsforum (ITF) in seiner aktuellen Studie fest. „Selbst im optimistischsten Szenario“ würden die Emissionen 2050 noch auf dem Niveau von 2015 liegen.

Das bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angesiedelte ITF hatte verschiedene Szenarien zur Entwicklung des globalen Verkehrs bis 2050 durchgerechnet. In die bestmögliche Projektion wurden den Angaben zufolge der Einsatz neuer Technologien und „Verhaltensänderungen“ bereits eingepreist.

ITF-Prognose: Emissionen könnten um 60 % steigen

Dennoch würde sich der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) bis zum Jahr 2050 nicht reduzieren lassen. „Im weniger optimistischen Basisszenario“ würden die CO2-Emissionen im Vergleich zu 2015 sogar um 60 % steigen, so die ITF-Experten.

Als ein großes Problemfeld identifizierte das Weltverkehrsforum „Verschiebungen bei den globalen Haupthandelsrouten“: In Regionen mit wenig entwickelten Eisenbahnnetzen und Schifffahrtswegen nehme der Warenaustausch zu – dies führe „nahezu zu einer Verdoppelung der CO2-Emissionen aus Straßengüterverkehr“. Besonders betroffen sei Asien.

Auch die Mobilität in den Städten sei ein Problem, erklärte das Weltverkehrsforum. Hier werde sich die Autonutzung bis 2050 verdoppeln, vor allem durch die Entwicklung in den Schwellenländern. Allerdings könnten Städte „die Zahl der Autos auf dem Niveau von 2015 halten, wenn sie jetzt eine integrierte Raum- und Verkehrsplanung einführen, aktiv Preismechanismen nutzen, um das Mobilitätsverhalten zu steuern, sowie in den Nahverkehr investieren“.

„Deshalb müssen wir zugleich das Innovationstempo steigern und fundamentale politische Entscheidungen treffen, um den Verkehrssektor zu dekarbonisieren”, sagte ITF-Generalsekretär José Viegas  bei der Vorstellung der Studie.


ITF Transport Outlook 2017 als ePaper: HIER (en)
– Die Zusammenfassung des Berichts HIER auf Deutsch
– Details und andere Sprachen: WEBSEITE
Siehe auch Jose Viegas:  Transport must get serious about cutting carbon


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