Mobilität: Wissenschaft

Das „digitale Auto“ – nicht vor dem Jahr 2040 etabliert

Analyse Das „digitale Auto“
Symbolfoto: Petra Bork|pixelio.de

Mehr Umsatz, mehr Konkurrenz, mehr Kooperation

In ihrem eben erschienenen aktuellen „Deutschland-Monitor“ nimmt Deutsche Bank Research das „digitale Auto“ als prägenden Technologieschritt im Individualverkehr in den Fokus. Ausgangspunkt ist, dass die traditionelle Automobilindustrie sowie bislang branchenfremde Unternehmen mit Hochdruck an Software-Lösungen, Fahrassistenzsystemen und anderen Technologien arbeiten, die ein vernetztes, autonomes, stau- und unfallfreies Fahren ermöglichen sollen.

Die Kernpunkte der Analyse

Das „digitale Auto“ in seiner Idealform ist keine utopische Zukunftsvision mehr, sondern nimmt allmählich Gestalt an. Der Weg zum „digitalen Auto“ wird allerdings eher einer Evolution statt einer Revolution gleichen. Dafür sprechen Faktoren auf der Angebots- und der Nachfrageseite. Zu nennen sind die langen Entwicklungszeiten in der Branche sowie die Langlebigkeit des Produkts Auto. Ferner dürften sich die seit Jahrzehnten gewachsenen Konsumpräferenzen nur langsam ändern. Es werden noch mehrere Jahrzehnte vergehen, bis das „digitale Auto“ den PKW-Bestand weitgehend durchdrungen hat; vor 2040 wird dies wohl nicht der Fall sein.

Die für das „digitale Auto“ notwendigen Technologien werden das Umsatzwachstum in der Autoindustrie begünstigen. Die meisten Technologien müssen zusätzlich in „digitalen Autos“ verbaut werden. Um das höhere Marktvolumen werden Unternehmen kämpfen, die bislang nicht oder nur am Rande in der Automobilindustrie aktiv waren. Der Sektor wird gegenüber heute deutlich heterogener und komplexer. Branchenübergreifende Kooperationen werden in den kommenden Jahren das Bild der Branche ändern. Trotz dieser Kooperationen bleibt der Wettbewerb in der erweiterten Automobilindustrie intensiv.

Es gibt kein Unternehmen, das hinsichtlich des Gesamtpakts „digitales Auto“ uneinholbar vorne läge. Unternehmen etwa aus der IT-Welt haben in Teilbereichen des „digitalen Autos“ (etwa dem künftig stark wachsenden automobilen Datenmarkt) Wissensvorsprünge gegenüber der klassischen Automobilindustrie. Allerdings stellt die Beherrschung der gesamten automobilen Wertschöpfungskette in einem Massenmarkt eine beachtliche Marktzutrittsbarriere für Newcomer dar. Die eigentliche Automobilproduktion bleibt wohl relativ wenig angreifbar und auch künftig die Domäne der traditionellen Autohersteller.

Das „digitale Auto“ – Lösung urbaner Verkehrsprobleme?

Parallel zur Entwicklung des „digitalen Autos“ verändert sich das gesellschaftliche Mobilitätsverhalten. Innovative Mobilitätsdienstleistungen auf der Basis von Carsharing und Ridesharing gewinnen Marktanteile, gerade in Großstädten, wo künftig mehr private Haushalte auf einen eigenen PKW verzichten. Auf der Angebotsseite steht hier in den nächsten Jahren eine Konsolidierungswelle an.

Das „digitale Auto“ wird nicht die Lösung für die Verkehrsprobleme in hochverdichteten Städten sein – vor allem nicht in Schwellenländern. Diese brauchen in erster Linie einen gut funktionierenden ÖPNV, um den Verkehrskollaps zu verhindern. Allerdings kann das „digitale Auto“ gegenüber einem Business-as-usual-Szenario zu einem verbesserten Verkehrsfluss in den Städten beitragen. Das Verkehrsaufkommen insgesamt muss dabei nicht zwangsläufig sinken; die Auslastung der betreffenden Fahrzeuge wird steigen.

Quelle: „Deutschland-Monitor – Digitale Ökonomie und struktureller Wandel