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Transport und Logistik im Wandel

Univ. Prof. Dr. Sebastian Kummer, Vorstand des Institutes für Transportwirtschaft und Logistik, WU Wien
Univ. Prof. Dr. Sebastian Kummer, Vorstand des Institutes für Transportwirtschaft und Logistik, WU Wien. Foto: privat

Ein Statement von Univ. Prof. Dr. Sebastian Kummer, Vorstand des Institutes für Transportwirtschaft und Logistik, WU Wien

Dass der Wandel einen stetigen Begleiter im Verkehrs- und Logistikbereich darstellt, ist nichts Neues. Wie vielschichtig, umfassend und komplex diese Transformationsprozesse allerdings sind, zeigen nicht zuletzt zahlreiche aktuelle Entwicklungen, wobei vor allem deren Konvergenz zur besonderen Aufgabe für unsere Branche wird. So müssen sich Manager und Unternehmer einerseits kurz- und mittelfristigen Herausforderungen, wie beispielsweise drohenden Einschränkungen im internationalen Handel aufgrund von Zöllen oder der Wiedereinführung von US-Sanktionen gegen den Iran, stellen und es darüber hinaus gleichermaßen als ihren Auftrag verstehen, geostrategisch relevante Projekte wie den Ausbau der Neuen Seidenstraße und die daraus resultierenden Veränderungen globaler Güterströme und wirtschaftspolitischer Machtverhältnisse zu antizipieren.

Außerdem zeigt sich eigentlich Woche für Woche mehr, dass die fortschreitende Digitalisierung nicht nur das Leben der Menschen, sondern vor allem auch die Mobilität, den Transport und die Logistik radikal verändern wird. Wie stark die disruptive Kraft hier ist, zeigen nicht zuletzt die vielen in diesem Bereich gegründeten Startups. Verantwortliche Entscheidungsträger sind daher nicht nur gefordert, aktuelle Geschäftsmodelle zu überdenken, sondern müssen diese häufig komplett neu entwickeln. So gefährlich diese Entwicklung für etablierte Unternehmen auch sein mag, bieten sich zugleich dennoch sehr große Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten.

Wenn es Aufgabe der Politik ist, Systeme nachhaltig zu gestalten, müssen neben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch soziale und ökologische Wirkungen bedacht werden. Bezüglich der sozialen Wirkungen wurde die Veränderung der Arbeitswelt schon früh diskutiert. Die Richtung ist weitgehend klar: (Aus)Bildung, (Weiter)Bildung und, wenngleich oft nicht ganz eindeutig kommuniziert, aber genauso wichtig, die (Allgemein)Bildung.

Am wenigsten konkret und sehr ambivalent ist die Auswirkung der Digitalisierung auf die Ökologie. Im Bereich des Verkehrs könnten autonom fahrende Fahrzeuge helfen, Unfallzahlen zu reduzieren. Kooperative Logistikplattformen und Blockchain-Lösungen könnten dazu beitragen, die Fahrzeugauslastung zu erhöhen und die Effizienz zu steigern. Allerdings sind die Geschäfts modelle, die mit der Digitalisierung verbunden sind, eher auf eine Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivitäten und damit der verbundenen Personen- und Güterverkehre ausgelegt. Man muss kein Technikfeind sein, um zu erkennen, dass viele Digitalisierungstechnologien sich Umweltschutz auf die Fahnen schreiben, aber im Grunde auch den Ressourcenverbrauch beschleunigen werden.

So ist Tesla zwar gut für den Durchbruch der Elektromobilität, aber Sportwagen, Luxuslimousinen und SUVs sind ökologisch eher bedenklich. Die u.a. Bitcoin zugrundeliegende Blockchain löst gerade eine Technologiewende aus, aber der Energieverbrauch, der damit in vielen Bereichen einhergeht, ist noch gigantisch. Kritisch zu hinterfragen ist auch der „Run“ der digitalen Multimillardäre in den Weltraum. Nicht nur, dass die dazu benötigten Flugkörper ungeheure Mengen an Energie verschlingen und früher oder später ein ökologisches Problem werden. Es zeigt außerdem, dass diejenigen, die die Digitalisierung vorantreiben, denken, dass diese nicht zur Rettung der Welt führt, sondern eher, dass wir künftig neue Lebensräume brauchen. Angesichts der globalen Dimension der digitalen Veränderung ist guter Rat an die Politik teuer. Der US-Ökonom und Managementtheoretiker Michael Porter aber hat gezeigt, dass straffe Umweltauflagen aufgrund des Effizienzdrucks mittelfristig gut für die Industrie sind.

Die Fähigkeit privatwirtschaftlicher Akteure und der öffentlichen Hand, auf die Vielzahl von Veränderungen und die damit verbundenen Herausforderungen zu reagieren, bildet eine wesentliche Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand. Mein Wunsch an die europäische Politik, Unternehmen und die Forschung wäre es, im Bereich der Digitalisierung der Nachhaltigkeit eine größere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Das vorliegende Heft gibt dazu aus verkehrspolitischer, unternehmerischer und wissenschaftlicher Perspektive wieder wichtige Anregungen.

Sebastian Kummer


Erschienen in Internationales Verkehrswesen (70), Heft 2 | 2018


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