Politik: Standpunkt

Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats zu Drohnen

Drohnen im deutschen Luftraum: Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats
Bild: Mathias Arlund / Unsplash

Drohnen im deutschen Luftraum: Chancen, Herausforderungen, Regulierungsbedarf

Diese Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats soll den Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur darin unterstützen, die verkehrspolitischen Herausforderungen beim Umgang mit Drohnen im Spannungsfeld von Innovation, Safety, Security und Privacy zu meistern. Lesen Sie hier eine kurze Zusammenfassung. Den vollständigen Text der Stellungnahme finden Sie hier als PDF.

Drohnen als „unbemannte Luftfahrzeuge mit fernsteuernden Piloten“ (RPAS, Remotely Piloted Aircraft Systems) bzw. „Fluggeräte mit automatisierten Steuerungs- und Navigationsfunktionen ohne Piloten“ (UAV, Unmanned Aerial Vehicle) erleben aktuell im Zuge der Digitalisierungsrevolution in der Gesellschaft und der damit verbundenen Möglichkeiten der kostengünstigen und stetig leistungsfähiger werdenden Datenerfassungs- und -übertragungsfähigkeiten ein explosives Wachstum und mit ihm auch der Luftverkehr.

Drohnen tragen ein enormes Innovationspotenzial für den Transport-, Logistik- als auch den Freizeit-Bereich in sich. Innerhalb der kommenden Jahre werden sich die Geschäftsideen in den relevanten Sektoren mit einer beachtlichen Wirtschaftsleistung vervielfachen. Hieraus leiten sich gesellschaftlich umfassende Regulierungsaufgaben zu den Themen Safety (und damit Capacity), Security und Privacy ab, da einerseits die Anzahl von Fluggeräten enorm wachsen wird, andererseits zahlreiche Dritte sich durch diese teils massiv gestört bzw. in ihren Rechten verletzt sehen mögen.

Die EU hat mit der Novellierung der Grundverordnung (Basic Regulation) zur Zertifizierung von Drohnen im Jahr 2018 insofern den richtigen Schritt getan: Nunmehr unterliegen alle Drohnen unabhängig von Größe und sonstigen Eigenschaften der Zuständigkeit der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) und folgen somit einem einheitlichen europäischen Standard. Unbenommen bleiben zahlreiche Details bezüglich der Entwicklung und des Betriebs von Drohnen offen. Deren zielgerichtete Klärung ist eine wesentliche Voraussetzung, um die sich dynamisch entwickelnden Urban Air Mobility Konzepte in europäischen Städten sowie die vielfältigen weiteren Entwicklungen und Anwendungen zu begleiten und gezielt zu fördern.

Die Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats beim BMVI, „Umgang mit Drohnen im deutschen Luftraum: Verkehrspolitische Herausforderungen im Spannungsfeld von Innovation, Safety, Security und Privacy“, arbeitet Hintergründe, aktuelle Entwicklungen sowie den Stand der Regulierung auf und formuliert darauf aufbauend verschiedene Empfehlungen:

Notwendig ist ein gezieltes, deutlich sichtbareres Engagement des BMVI bei der EASA im nun laufenden Umsetzungsprozess der neuen EU Grundverordnung (Basic Regulation), um sowohl im Bereich „kleiner“ Drohnen (Kategorien open und specific) die richtigen Impulse bei der weiterschreitenden Ausgestaltung der technischen und betrieblichen Parameter zu setzen, als auch für „große“ Drohnen (Kategorie certified) den erst im Aufbau befindlichen Zulassungsprozess (Entwicklung einer Certification Specification, CS, für Drohnen) intensiv zu begleiten. An seiner Ausgestaltung wird maßgeblich der Markteinführungszeitrahmen für u.a. Lufttaxis hängen. Regulierungsbedarf besteht in der Klassifizierung von Drohnen, der Gestaltung von Rahmenbedingungen für Ausbildung und Zertifizierung von (Remote-) Piloten, der Gewährleistung von Safety und Security u.a. durch Geofencing, Regeln für die Registrierung und Nutzung von Drohnen, Überflugrechten, der Weiterentwicklung des Specific Operations Risk Assessment (SORA).

Empfohlen wird darüber hinaus eine enge Verzahnung der Aktivitäten zur Fortschreibung der Rahmenbedingungen im luft- und bodengebundenen Verkehr, um Synergiepotenziale durch die verstärkte Automatisierung in beiden Verkehrsträgern gezielt zu nutzen.

Im April 2019
Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur


Die komplette Stellungnahme finden Sie als PDF unter dok44-1904.trialog.de


Der Wissenschaftliche Beirat
beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur

Vorsitzender

  • Prof. Dr.-Ing. Hartmut Fricke 1
    Technische Universität Dresden, Fakultät Verkehrswissenschaften, Institut für Luftfahrt und Logistik; Professur für Technologie und Logistik des Luftverkehrs

Mitglieder

  • Prof. Dr. Alexander Eisenkopf 2
    Zeppelin Universität Friedrichshafen, Vizepräsident Lehre und Didaktik, Lehrstuhl für Wirtschafts- und Verkehrspolitik
  • Prof. Dr.-Ing. Markus Friedrich
    Universität Stuttgart, Institut für Straßen- u. Verkehrswesen, Lehrstuhl Verkehrsplanung und Verkehrsleittechnik
  • Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
    Technische Universität Dresden, Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“, Institut für Verkehrsplanung und Straßenverkehr, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Dietrich Haasis 1
    Universität Bremen, Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Maritime Wirtschaft und Logistik
  • Prof. Dr. Günter Knieps
    Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Wirtschaftswissenschaften, Abteilung für Netzökonomie, Wettbewerbsökonomie und Verkehrswissenschaft
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Knorr
    Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, Lehrstuhl Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschafts- und Verkehrspolitik
  • Prof. Dr. Kay Mitusch
    Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Lehrstuhl für Netzwerkökonomie, Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung (IWW)
  • Prof. Dr. Stefan Oeter
    Universität Hamburg, Fakultät für Rechtswissenschaft, Institut für internationale Angelegenheiten
  • Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher
    Universität Ulm, Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung, Lehrstuhl für Informatik
  • Prof. Dr. Gernot Sieg
    Westfälische Wilhelm-Universität Münster, Institut für Verkehrswissenschaft
  • Prof. Dr. Wolfgang Stölzle 2
    Universität St. Gallen, Geschäftsführender Direktor, Institut für Supply Chain Management (ISCM-HSG)
  • Prof. Dr.-Ing. Peter Vortisch
    Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Verkehrswesen
  • Prof. Dr. rer. nat. Hermann Winner
    Technische Universität Darmstadt, Fachgebiet Fahrzeugtechnik

1 Mitglied im Herausgeberkreis Internationales Verkehrswesen
2 Mitglied im Redaktionsbeirat Internationales Verkehrswesen


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