Logistik

Gute Aussichten für multimodale Logistik in Europa

Multimodale Logistik
Symbolbild: pixabay.de

Auch in Städten gute Chancen für den multimodalen Güterverkehr

Beim Thema Multimodale Logistik, dem Gütertransport über mindestens zwei Transportwege, hinkt Europa immer noch dem US-amerikanischen Markt hinterher. Doch es werden kontinuierlich Fortschritte gemacht. In einem aktuellen Marktbericht des Gewerbeimmobilien-Dienstleisters Colliers International für die Region EMEA werden mehrere Beispiele für etablierte und aufstrebende Multimodalplattformen in Europa aufgezeigt und die Wachstumstreiber und Aussichten für den multimodalen Logistikmarkt in Europa erläutert. Das Fazit: Es gibt zahlreiche Gründe für Optimismus in diesem Bereich.

Großprojekte als künftige Treiber im multimodalen Güterverkehr in Europa

Ein entscheidender Faktor bei der Effektivitätssteigerung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des multimodalen Güterverkehrs im Vergleich zum reinen Straßentransport ist der Ausbau der Infrastruktur. Bei den meisten laufenden Infrastrukturprojekten in Europa handelt es sich um die Verbesserung bestehender Transportwege und Plattformen, wie u.a. Häfen. Viele europäische Häfen streben ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Transportwegen an und setzen ehrgeizige Infrastrukturprojekte um, um dieses Ziel zu erreichen. Aufgrund der Bedeutung des Seehandels spielen Häfen eine wichtige Rolle für den multimodalen Transport.

Zudem gibt es mehrere Großprojekte: „Das wohl größte Infrastrukturprojekt in Europa ist die Alpentransversale zwischen der Schweiz und Italien – einer der wichtigsten Warenkorridore in Europa. Sie soll die Seehäfen Nordeuropas über Deutschland mit Norditalien verbinden”, sagt Peter Kunz,  Head of Industrial & Logistics bei Colliers International.

„Der Gotthard-Tunnel wurde 2016 eröffnet. Auf der gleichen Strecke entsteht derzeit ein zweiter Tunnel, der 2019 eröffnet werden soll und zu einer Steigerung des Schienenverkehrs um 60 % von 160 auf 260 Züge pro Tag führen wird. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten für den multimodalen Logistiksektor und wir stellen bereits jetzt fest, dass einige Betreiber verstärkt in neue Anlagen und Warenumschlagsplattformen entlang dieses Korridors investieren”, so Kunz.

Vorreiter Paris

Auch in den Städten existieren gute Aussichten für den multimodalen Güterverkehr. Zwar dominieren LKW und Transporter aufgrund ihrer Verfügbarkeit und Geschwindigkeit den Gütertransport der letzten Meile. Doch durch geplante Fahrverbote für Kraftfahrzeuge in europäischen Innenstädten könnte der Straßentransport bald an Bedeutung verlieren. Der Schienen- und Wasserverkehr stellt eine Alternative dar und wird neben umweltfreundlichen Fahrzeugen in der Last-Mile-Logistik eine zunehmend wichtigere Rolle spielen.

Kunz: „Paris ist eine der führenden europäischen Städte in diesem Bereich. Im Rahmen einer großangelegten Initiative werden Logistikzentren um wichtige Schienenverkehrsknotenpunkte und entlang der Seine modernisiert. Neue Logistikflächen werden als sogenannte Logistikhotels in größere, gemischt genutzte Objekte integriert.“

Den Behörden fällt eine entscheidende Rolle zu, da sie durch eine proaktive Planungspolitik und ihre Vermittlerfunktion zwischen den einzelnen Interessengruppen wie Versandunternehmen, Spediteuren, Schienenbetreibern, Grundbesitzern und Gemeinden wesentlich zum Gelingen von Projekten beitragen können. Die unterschiedlichsten Interessen unter einen Hut zu bekommen ist eine große Herausforderung, doch aktuelle Beispiele für erfolgreiche Projekte in Paris geben Anlass zu Optimismus.

Trend zur Nachhaltigkeit

Im multimodalen Gütertransport können aufgrund von Warenumschlagsaktivitäten zusätzliche Kosten entstehen, insbesondere im Kurzstreckenbereich. „Trotzdem sind sich Unternehmen darüber einig, dass die höheren kurzfristigen Kosten, die durch nachhaltigere Transportlösungen entstehen, ausgeglichen werden können durch die langfristigen Vorteile, die sich aufgrund der Umsetzung von Maßnahmen im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) sowie im Hinblick auf strengere Umweltgesetze ergeben”, sagt Kunz.

Eine Verbesserung der multimodalen Infrastruktur, sinkende Technologiekosten und potenzielle Skaleneffekte tragen dazu bei, dass sich die multimodale Logistik (insbesondere der Schienentransport) zu einer immer überzeugenderen Alternative entwickelt – auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

Verschiedene Hauptakteure im Bereich multimodale Logistik

Die Politik hat großes Interesse daran, den Straßengüterverkehr zu reduzieren, um den Kohlendioxidausstoß zu senken und nachhaltigere Transportlösungen zu fördern. In ihrer Transport 2050 Roadmap hat die EU u.a. das Ziel formuliert, bei Distanzen über 300 km bis zum Jahr 2030 30% und bis 2050 die Hälfte des Straßengüterverkehrs auf Schienen- oder Wasserwege zu verlagern. Für diese Distanzen gilt der Schienenverkehr als eine kostengünstige und emissionsarme Alternative zum Transportweg Straße.

Bau- und Rohstoffunternehmen sowie der Automobilsektor gehören in der Regel zu den intensivsten Nutzern des Schienengüterverkehrs. Auch Einzelhändler, u.a. Supermärkte, nutzen verstärkt multimodale Transportwege für eine Reihe von Produkten. Die französische Warenhauskette Monoprix transportiert 55 bzw. 35 % der Importe per Wasser- bzw. Schienentransport zu ihren Warenlagern. Tesco liefert in Großbritannien Waren von einem Lager in Daventry über den Schienenverkehr an regionale Distributionszentren aus und hat kürzlich eine neue Schienenverbindung nach China angekündigt.

Plattformen und Infrastruktur

Projektentwickler und Investoren bieten zunehmend multimodale Infrastrukturen vor Ort, um so die Vernetzung zu optimieren und für so viele Mieter wie möglich attraktiv zu sein. Je höher die Entwicklungsstufe des regionalen Schienengüterverkehrs, desto größer das Interesse. In Großbritannien entstanden erst kürzlich einige Logistikparks mit direkter Anbindung an den Schienenverkehr. Die Region weist hinter Deutschland und Italien den drittgrößten Markt für multimodale Transportwege (Straße-Schiene) auf. Die Transportroute zwischen den beiden am stärksten industrialisierten Ländern Westeuropas, Deutschland und Italien, ist die meist genutzte. Dahinter folgen die von den Nordseehäfen (Rotterdam/Antwerpen) abgehenden Binnenstraßen und die Verbindungen zwischen Deutschland und den jeweiligen Zuliefererstandorten.

Hier der Marktbericht zum Download


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