Mobilität: Wissenschaft

Wissenschaftler stellen Konzept für Straßenverkehr ohne Staus vor

Wissenschaftler stellen Konzept für Straßenverkehr ohne Staus vor
Bangkok. ©_pixabay

Dynamische und gerechte Gebühr für die Straßennutzung soll Staus vermeiden

Die Wissenschaftler Professor Dr. Peter Cramton, Professor Dr. Axel Ockenfels  (beide Universität zu Köln) und Professor R. Richard Geddes  (Cornell University, New York, USA) stellen in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals „Nature“ ein Konzept für die Zukunft der Verkehrssteuerung vor. Eine dynamische Bepreisung von Straßen soll Staus vermeiden und die Umwelt schonen. Gebühren, die in Echtzeit und standortpräzise auf das Verkehrsaufkommen reagieren und Faktoren wie Fahrzeugtyp und Abgaswerte einbeziehen, können den Verkehrsfluss erheblich verbessern und zu einer Verringerung der Luftverschmutzung beitragen.

Staus sind nicht nur ärgerlich und zeitraubend, sie kosten auch Geld. In Deutschland betrug der volkswirtschaftliche Schaden, der aufgrund verstopfter Straßen 2017 entstand, rund 80 Milliarden Euro. „Derzeit bezahlen die Verkehrsteilnehmer, die Staus verursachen, der Umwelt schaden und dadurch sogar Kosten verursachen, genau so viel wie diejenigen, die daran nicht beteiligt sind“, sagt Axel Ockenfels. „Ohne Gebühr bedeutet das, dass die Allgemeinheit diese Verkehrsteilnehmer subventioniert. Das ist unfair.“

Eine Gebühr für die Straßennutzung würde diese Kosten offenlegen und Staus eliminieren. „Wenn die Gebühr sich dem Verkehrsaufkommen und der Situation auf der Straße in Echtzeit anpasst, also etwa zur Rush-Hour teurer ist als gegen Mittag, kann jeder die für sich passende Route auswählen. So wie es jetzt auch bei Navigationssystemen funktioniert“, erläutert Peter Cramton. „Im Endeffekt werden so Hauptverkehrsadern entlastet, der Verkehr fließt besser und es wird weniger CO2 ausgestoßen.“

Technisch wäre eine dynamische Straßengebühr in Echtzeit schon heute umsetzbar, sind die Wissenschaftler sicher. Navigations- und Telekommunikationssysteme, GPS-Daten und Apps können sowohl Fahrern Informationen zur Verfügung zu stellen als auch das Verkehrsaufkommen abbilden und vorhersagen. „Dabei muss man natürlich ein System entwickeln, das eine akzeptablen Kompromiss zwischen der Bereitstellung persönlicher Daten und der Privatsphäre darstellt“, so Cramton. Moderne Kryptologie könnte den Betreibern der Systems ermöglichen, die Gebühren zu erheben, ohne dass Menschen überhaupt Zugriff auf die Daten haben.

Bedenken, dass die Gebühr sozial schwache Personen benachteiligt, da diese eine Gebühr stärker träfe, treten die Wissenschaftler entgegen und entwickeln entsprechende Ideen. „Die Bepreisung muss dynamisch sein und Optionen bieten. Man stelle sich vor, die linke Spur von regelmäßig verstopften, mehrspurigen Fahrbahnen wird bepreist. Auf der linken Spur ist der Verkehrsdurchfluss dadurch größer, weil Verstopfungen vermieden werden. Dies wiederum bedeutet, dass auch der Verkehrsfluss auf der rechten Spur verbessert wird“, sagt Ockenfels. „So hat jeder etwas davon.“

Inhaltlicher Kontakt: Prof. Dr. Axel Ockenfels, Staatswissenschaftliches Seminar, ockenfels@uni-koeln.de
Zur Publikation: DIO: 10.1038/d41586-018-05836-0


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